Einsatznummer 20

 

Bammental - Dachstuhlbrand

Datum:
23.04.2010
 Einsatzort:
Industriestraße
 Alarmstichwort:
Brandalarm
Uhrzeit: 13:56 Uhr

Dachstuhlbrand in einem Industriegebäude

Zu einem Dachstuhlbrand kam es am Freitag, den 24.04.2010 gegen 14 Uhr im Bammentaler Industriegebiet.

Bei dem Brandobjekt handelt es sich um ein eingeschossiges Gewerbegebäude das mit einer  Photovoltaikanlage ausgerüstet war. In dieser außergewöhnlichen Konstruktion bilden die einzelnen Photozellen gleichzeitig die Dachbedeckung. Neben der elektrischen Gefahr stellte vor allem  die enorme Festigkeit der einzelnen Platten die Einsatzkräfte  vor eine ungewöhnliche Herausforderung.

Im selben Gebäudekomplex sind weitere Firmen untergebracht  die unter anderem auch chemische Stoffe lagern. Die Löschwasserversorgung durch das öffentliche Leitungsnetz ist in diesem Ortsteil nicht optimal.

Nach der Alarmierung mit dem Stichwort „fragliche Rauchentwicklung“ rückte gemäß der Alarmierungs- und Ausrückordnung der ELW 1, LF 16-24 und das LF 8 aus.

Bei der ersten Erkundung wurde durch den Zugführer eine Rauchentwicklung im Dachbereich festgestellt. Folgerichtig wurde auf die nächste Alarmstufe erhöht. Hierauf rückte zunächst der ELW 2 und das HLF 16-12 nach, die Feuerwehren aus Neckargemünd und Wiesenbach wurden nachalarmiert.

Als Erstmaßnahme wurde eine Riegelstellung zum hinteren Gebäudeteil gesetzt und im inneren des Gebäudes wurde ein Trupp mit einem weiteren Rohr zum Dachaufstieg  platziert um eine eventuelle Ausbreitung zu den Geschäftsräumen fest zu stellen und zu verhindern. Der Aufstieg wurde hierzu bewusst nicht geöffnet um die Ausbreitung von Brandrauch und des Feuers nicht zu fördern.

Parallel hierzu wurde eine Überdruckbelüftung eingeleitet um das mit sensiblen Geräten ausgestattete Labor und die Geschäftsräume rauchfrei zu halten.

Die Besatzung des HLF versuchte dann die Giebelwand zu öffnen um an den Brandherd zu gelangen. Allerdings hat man sich bewusst dazu entschlossen, keine Einsatzkräfte in den Kniestock zu schicken. Die Gefahr sich an den frei liegenden elektrischen Leitungen zu verletzen, war zu groß und die Abschaltung der Zellen ist bei einer solchen Anlage nicht möglich. Immerhin werden hier 1000V Gleichspannung und mehr erzeugt, was für den menschlichen Körper absolut tödliche Folgen haben kann.

Mit dem Löschzug aus Neckargemünd traf kurze Zeit später die Drehleiter ein, deren Besatzung mit sehr hohem Kraftaufwand die Photovoltaikzellen  durchschlug um an den Brandherd zu gelangen. Gleichzeitig wurde in der Lagerhalle eines in der Nachbarschaft befindlichen Betriebes eine Atemschutzsammelstelle eingerichtet wo alle eingesetzten Atemschutzgeräteträger verwaltet wurden und immer genügend Personal und Ausrüstung für den Atemschutzeinsatz vorgehalten wurde.  Diese wurde später vom Gerätewagen Atemschutz der Feuerwehr Schwetzingen unterstützt.

Die Kräfte aus Wiesenbach errichteten  eine Wasserentnahmestelle aus der nahe gelegenen Elsenz  und verlegten eine Förderstrecke zur Einsatzstelle.

Die Besatzung des ELW 2 baute eine Führungsstelle auf und arbeitete dem Einsatzleiter zu.

Hierzu wurde im laufe des Einsatzes auch die Führungsgruppe des Unterkreises nachgefordert, die sich in sehr kurzer Zeit, nahtlos in die Struktur einfügte und den Einsatzleiter entlastete.

Mit großen Schwierigkeiten hatte die Drehleiterbesatzung zu kämpfen, die sich müßig durch den hochfesten Werkstoff der Photovoltaikanlage kämpfen musste. Deshalb entschloss sich der Einsatzleiter ein zweites Hubrettungsfahrzeug nachzufordern. Es wurde dann der Teleskopmast und ein Löschfahrzeug der Feuerwehr Walldorf alarmiert. Mit dem Paralleleinsatz der beiden Hubrettungsfahrzeuge ist es schließlich gelungen, die Ausbreitung des Feuers im Dachbereich zu stoppen. Hierzu wurde eine komplette Reihe Fotozellen durchschlagen und der noch unbetroffene Teil abgeriegelt.

Im laufe des Einsatzes wurden  noch Kräfte der  Feuerwehren aus Mauer, Gaiberg, Schönau und Meckesheim nachgefordert um genügend Atemschutzgeräteträger zur Verfügung zu haben und eine weitere Wasserförderstrecke auf zu bauen.

Die Feuerwehr Leimen  unterstütze mit ihrem Messfahrzeug, konnte aber bei ihren Messungen  glücklicherweise keine Gefahr für die Bevölkerung feststellen.

Noch während der Löscharbeiten wurden 5 Wassersauger zum absaugen des Löschwassers eingesetzt um den Wasserschaden so gering wie möglich zu halten.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Bammental, unterstützt von Einsatzkräften der Feuerwehr Schönau, wurden bis zum Mittag des folgenden Tages in drei Schichten zur Brandwache eingeteilt und bestanden jeweils aus einer Löschgruppe (9 Einsatzkräfte). So war gewährleistet, dass immer ausgeruhte Einsatzkräfte zur Verfügung stehen. Mit der Wärmebildkamera der Feuerwehr Neckargemünd wurde das Gebäude im halbstündigen Rhythmus kontrolliert. Hierbei wurden immer wieder kleinere Glutnester freigelegt und abgelöscht.

Die angebauten Gebäudeteile blieben durch den massiven Einsatz der zahlreichen Einsatzkräfte unversehrt.

Noch bevor die Sonne am nächsten Morgen ihre Kraft entfalten konnte, wurden die intakten Photovoltaikzellen mit lichtdichter Folie abgedeckt und zum Teil abgeklemmt um eine weitere Brandgefahr zu verhindern.

Den Grundschutz für Bammental während der Aufräum- und Nachlöscharbeiten übernahmen die Kameraden der Feuerwehr Neckargemünd.

Die Aufräum- und Sicherungsmaßnahmen waren am 24.04.10 gegen 14:00 Uhr beendet.


Udo Gattner
, Kommandant der Feuerwehr Bammental


Videobeitrag des Rhein-Neckar-Fernsehen

 

Kräfteübersicht:

Einheit

Fahrzeug

Personal

Feuerwehr Bammental

BAM 11, BAM 44-2, BAM 41, BAM 44-1, RN 12-1

34

Feuerwehr Neckargemünd

NGD 1-11, 1-23-1, 1-33, 1-23-2, 1-72

33

Feuerwehr Wiesenbach

WIE 19, WIE 44, WIE 41

24

Feuerwehr Mauer

MAU 19, MAU 44, MAU 42

16

Feuerwehr Gaiberg GAI 19, GAI 21, GAI 42

15

Feuerwehr Meckesheim

MEC- 1-11, MEC 1-44, MEC 1-74, MEC 2-44

25

Feuerwehr Walldorf

WAL 10, WAL 44-2, WAL 36

11

Feuerwehr Schwetzingen

SCHW 56, SCHW 74/2

4

Feuerwehr Leimen

LEI 1-59/1, 1-19/1, 1-10

8

Feuerwehr Schönau

SCHÖ 1-11, SCHÖ 1-44, SCHÖ 1-23, SCHÖ 2-23

20

Unterkreisführungsgruppe Ngd  

-

Unterkreisführer Frank Merkel  

1

Kreisbrandmeister Peter Michels RN 10-1

1

Stv. Kreisbrandmeister Axel Schuh RN 11-1

1

Stv. Kreisbrandmeister Kurt Lenz RN 10-3

1

DRK

RN 3/83, RN 3/79, RN 75/83

5

Polizei

 

10

Bürgermeisteramt

Stlv. Bürgermeister Wilhelm Müller und stlv. Bürgermeisterin Annette Rehfuß

2

sonstige

Holger Karl, künftiger Bürgermeister von Bammental

1

SÜWAG

 

2

Abwasserzweckverband

 

2

Einsatzkräfte Ges.

 

Ca.  216

 

     

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